Route 66

…einmal auf der legendären Route 66, der Mutter aller Straßen 4000 km von Chicago nach L.A. – diesen Sommer haben wir uns den Traum erfüllt. Quer durch’s Land bei teilweise abenteuerlichen Straßenverhältnissen und Temperaturen bis 45 Grad…historische Diner, Tankstellen, Motels und wunderschöne Oldtimer, unglaublich offene, hilfsbereite und auskunftsfreudige Menschen, großartige und abwechslungsreiche Landschaften, dazu die passende Musik und die endlose Weite…Road Movie Feeling garantiert…
Start in Illinois. Von Chicago über Braidwood und Dwight, wo wir die bezaubernde Barb treffen und viel über Ambler’s Texaco erfahren, weiter nach Pontiac und Carlinville bis nach St. Louis, Missouri. Der Blueberry Hill Club, die Chain of Rocks Bridge, das Munger Moss Motel von Ramona und Bob und die Begegnung mit „The Mouth“, sehr gesprächige Besitzerin von „Cars on the Route 66“ und ihre sagenhaften Burger sind nur einige Highlights auf diesem Streckenabschnitt.
The Way to Amarillo…Oklahoma, die Staubschüssel Amerikas find ich persönlich nicht soooo aufregend. Eine Reise durch Oklahoma ist eher eine spirituelle Angelegenheit, so steht’s ganz treffend im Reiseführer. Einen großen Teil verläuft die 66 neben der Autobahn. Trotzdem inspirierend, das alte Coleman Theatre, in dem schon Bing Crosby und Bob Hope aufgetreten sind, das verschlafene Örtchen Stroud, in dem uns außer einem Pärchen im Auto in einer Stunde sonst wirklich niemand begegnet ist und das Lincoln Motel, an dem so herrlich laut die Trucks vorbeigedonnern…
Texas ist genauso, wie ich’s mir vorgestellt hab. Weite und Leere unter riesigem Himmel, heiß und windig, Einschusslöcher an Straßenschildern, Ranches und Rinder entlang der Strecke, nur Cowboys haben sich leider nicht blicken lassen. Natürlich Pflichtbesuch des U-Drop Inn – ein wunderschönes Art-Decó Restaurant, wo wir ganz herzlich empfangen werden, der 66 Ikone „Cadillac Ranch“ und Big Texan Steak Ranch. Wer es hier schafft auf der Bühne in einer Stunde 2kg Steak zu essen, muss nicht bezahlen. Wer sich übergeben muss schon… Das Motel ist rustikal, aber mit ganz eigenem Charme und praktischerweise direkt neben dem Steakhouse.
Halbzeit…über Vega geht es viele Meilen über flaches Land, es wird trockener, staubiger und natürlich auch heißer. Midpoint, Adrian: Halbzeit. 1139 Meilen gefahrene Meilen, ohne unsere freiwilligen und unfreiwilligen Abstecher…
In Tucumcari, New Mexico, einem kleinen sympathischen Ort mit vielen Motels und Cafes aus den 40ern und 50ern, ergattern wir noch das letzte freie Zimmer im wohl Schönsten, dem Blue Swallow.
Santa Rosa, Las Vegas, Santa Fe, Albuquerque, Grants. Mehr oder weniger nette Städtchen, aber viel, viel besser: Diese endlose Weite…Red Hot Chili Peppers, Johnny Cash und Doors im Radio…freier Blick bis zum Horizont, genau so muss es sein…
In Seligman beziehen wir Quartier bei Reinhard in der Canyon Lodge und haben um 8 Uhr abends das Gefühl, alleine in der Stadt zu sein. Seligman ist vor allem deswegen bekannt, weil der hier ansässige Friseur Angel Delgadillo in den 70ern jahrelang dafür gekämpft hat, dass die Route 66 wiederbelebt wird. Er gilt als lebende Legende und wir lernen ihn am nächsten Morgen kennen. Angel ist in Seligman geboren, hat mit 17 Jahren sein Friseurdiplom gemacht und seit dieser Zeit seinen barber shop. Seligman und das Leben auf dem Land liebt er – er war noch nie in Großstädten wie New York oder Chicago. Mittlerweile schneidet er nur noch Touristen nach Terminvereinbarung die Haare…und saugt diese am Ende der Sitzung mit einem Staubsauger ab…Der coolste 87-jährige Friseur aller Zeiten!
…über Peach Springs und dem General Store in Hackberry – mit der wunderschönen 57er Corvette vor der Tür – nach Kingman, mit dem kultigen „Mr. D’z Route 66 Diner“.
Die Westernstadt Oatman mit den frei herumlaufenden Eseln ist ziemlich verkitscht und eher nicht so meins…aber die Esel sind trotzdem niedlich…

Es ist der bisher heißeste Tag der gesamten Reise, 45 Grad…und dann auch noch durch die Mojave Wüste zum Joshua Tree Nationalpark…U2 passt da super…
Roy’s Motel und Cafe, für mich eine der coolsten Locations der Reise. Bei über 40 Grad im Schatten der Tankstelle, eine eiskalte Coke in der Hand, dasitzen und dem flirren der Luft zugucken, ab und zu ein Biker…
…Out of Rosenheim und End of Trail…weiter geht’s zum Bagdad Cafe in Newberry Springs. Auf die Filmlocation hab ich mich schon die ganze Reise gefreut, schade dass nur noch wenig Bekanntes vorhanden ist und Vorhandenes schon sehr dem Verfall preisgegeben – trotzdem aber cool so völlig out of Rosenheim zu sein. Und mit Eistee in der Hand und leicht zusammengekniffenen Augen in der flirrenden Hitze stellt sich dann auch nochmal Road-Movie-Feeling ein.

Wir entscheiden uns, die letzten Meilen unserer Reise nicht durch die Vorstädte von Los Angeles zu absolvieren, sondern in einem nördlichen Bogen die Stadt zu umfahren. Der Angeles Crest highway führt bis auf fast 8000 Fuß hoch in die Berge, dann über den Mulholland Highway weiter bis nach Malibu, von dort ein kurzes Stück den Highway1 nach Santa Monica. Hier am Pier ist das offizielle Ende der Route 66 und nach einem entspannten Strandtag auch für uns das Ende unserer Reise.

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